

Protestiert
gegen die Kampagne 10 Euro für den irakischen Widerstand!
An alle freiheitsliebenden Menschen, an alle
freiheitsliebenden Organisationen
28 . Dezember 2003
einige deutsche und österreichische Antiimperialisten und Friedensaktivisten
sammeln zur Zeit Spenden: 10 Euro für den irakischen Widerstand.
Ausgehend von Gruppen wie der Antiimperialistischen Koordination
(aik) haben sich Gruppen wie Red Action Nürnberg, Linke
Front Ungarn, Arabischer Palästina Club (Wien), KPÖ-Grundorganisation
42 (Wien), dieser Kampagne angeschlossen, genauso wie deutsche Friedensaktivisten
und einige Antifas. Printmedien und Websites wie die der Zeitschrift
Junge Welt berichten sehr wohlwollend-unterstützend
darüber. Das Geld soll im Irak an die "Irakische Patriotische
Allianz" (IPA), einem Bündnis von Gruppen übergeben
werden, welche laut der Website der Antiimperialistischen Koordination
unter anderem aus den Gruppen ...der linke Flügel der Baath-Partei,
die Kommunistische Partei Irak - patriotische Strömung, die kurdische
islamische Armee... besteht.
In einem Interview mit der Zeitschrift Junge Welt äußerte
sich der Sprecher der Antiimperialistischen Koordination Willi Langthaler
darüber, woraus für ihn der irakische Widerstand besteht:
Das sind einerseits sunnitisch-islamische und schiitische Kräfte,
hinzu kommen demokratische sowie arabisch-nationalistische Gruppen.
Nach unseren Informationen wollen sich die verschiedenen Strömungen
in den nächsten Wochen und Monaten auf der Basis der Ablehnung
eines amerikanischen Marionettenregimes in einer gemeinsamen Front
des nationalen Widerstands zusammenschließen.
Auf die Frage, wer das Geld erhalten soll, sagte der Sprecher der
Antiimperialistischen Koordination dazu: In der jetzigen Situation
der Unklarheit und der unterschiedlichen Kräfte unterstützen
wir alle, die gegen die amerikanische Besatzung sind...Letztlich soll
der irakische Widerstand entscheiden, was mit dem Geld geschieht.
Keine Woche im Irak vergeht, wo nicht Unschuldige von den Maschinengewehrsalven
und Bomben dieser Widerstandsgruppen zerfetzt werden.
Kein Tag vergeht, an dem Frauen sich durch die Aktivitäten dieses
Widerstands sich immer weniger auf die Strassen trauen
können. Aus den Reihen dieses Widerstands kamen Morde
an Arbeiteraktivisten, Vergewaltigungen und Verschleppungen von Frauen
als politisches Mittel. Der Widerstand, welcher
hier von europäischen Gruppen und Einzelpersonen finanziell unterstützt
werden soll, steht für das nationalistisch-völkische und/oder
politisch-islamische Lager, er steht für Reaktion, Brutalität
und Unterdrückung, aber er steht nicht auf der Seite von Freiheit
und Emanzipation, er kämpft nicht für die Sache der Menschen-
und Frauenrechte, er kämpft nicht für die Sache der einfachen
Menschen, der Arbeiter und Erwerbslosen.
Ähnlich wie für Afghanistan kann sich die Politik der USA
und ihrer Verbündeten, sowie auch die deutsche Politik, für
den Irak nur eine zukünftige Regierung aus Stammesfürsten,
Warlords, Nationalisten und dem politischen Islam vorstellen, was
auch kräftig forciert wird.
Der Widerstand, für welchen Antiimperialisten und
Friedensbewegte nun Spenden sammeln, vertritt genauso das anti-freiheitliche
Lager der rechten Reaktion, nur dass diese konkurrierenden Gruppen
eben nicht mitspielen wollen oder dürfen, und genauso mit Terror,
Einschüchterung und Mord agieren, wie es auch diejenigen tun,
die offiziell zur Zeit den Irak regieren.
In diesem Krieg der Terroristen haben die Menschen im Irak nichts
zu gewinnen. Die freiheitsliebenden Menschen im Irak, die Frauen,
die Erwerbslosen und Arbeiter wollen und brauchen weder diejenigen,
welche westliche Regierungen an der Macht sehen wollen, noch diejenigen,
für welche Antiimperialisten und Friedensfreunde hier nun Spenden
sammeln.
Das Groteske an dieser Situation ist wieder einmal, dass westliche
Regierungen, sowie auch viele westliche Linke, Friedensbewegte und
Globalisierungsgegner, die sich eigentlich als Opposition verstehen,
gemeinsam gegen die Sache der freien Gewerkschaften, Arbeiterräte,
Frauen- und Menschenrechtsgruppen, gegen die freiheitsliebenden, säkularen
und fortschrittlichen Bewegungen in Nahost aktiv sind.
Es ist leider nichts Neues, dass viele Linke in Europa gerne Gruppen,
Terroristen und Todesschwadronen in Nahost oder anderswo unterstützen,
die zum rechts bis faschistischem, nationalistischem und/oder politisch-islamischem
Lager gehören, Hauptsache, sie kämpfen gegen die USA und
ihre Verbündeten. Dass die Menschen, Frauen, Arbeiter und Erwerbslosen
vor Ort unter diesen Gruppen, deren Terror und deren brutaler Politik
leiden müssen, interessiert diese Linke oder Friedensfreunde
herzlich wenig.
Da wird gerne vom Selbstbestimmungsrecht der Völker
und nationalem Widerstand geredet, Hauptsache, keine Truppen
der USA und ihrer Verbündeten sind in der Gegend, und was dann
eine ethnische, nationale und/oder religiöse Bourgeoisie und
Diktatur mit den Arbeitern, Erwerbslosen, Kindern, Frauen, Homosexuellen,
Juden und Individuen, die frei denken und leben wollen, grausam und
brutal anrichtet, fällt nach dieser Denkweise dann unter Kultur
und nationales Selbstbestimmungsrecht der Völker...
Welche Frau, welches Kind, welches Mädchen, welche Homosexuellen,
welcher Arbeiter, welcher Erwerbslose braucht so etwas wie eine kurdische
islamische Armee, die diese Spendenaktion unter anderem auch
unterstützen will?
Der politische Islam, ursprünglich von westlichen Regierungen
als Waffe gegen den Ostblock und gegen linke Bewegungen in der Region
hochgezüchtet, hat spätestens mit dem 11. September seine
Region und die ihm zugedachte Dimension verlassen. Für einige
Linke im Westen mag er ein Held sein, für die Menschen,
die unter seinem Joch in der Region überleben müssen, oder
z.b. für Mädchen im Westen, die in islamischen Milieus zurechtkommen
müssen, bedeutet er nichts anderes als reaktionäre, mittelalterliche,
brutale Unterdrückung und die grausamste Geschlechterapartheid,
wo außer dem Bejammern von religiösen und nationalen Märtyrern
alles verboten ist, was Spaß machen könnte. Es mag sein,
dass viele Linke, Friedensfreunde und Globalisierungsgegner im politischen
Islam so etwas wie respektable Äußerungen von Volk
und Kultur sehen, nur wenn dem so sein sollte, wozu braucht
dann diese faschistische und kapitalistische Bewegung ihre Millionen
von Demütigungen, Einschüchterungen, Unterdrückungen,
ihre Geschlechterapartheid, Vergewaltigungen, Säureattentate
ins Gesicht von Mädchen und Frauen, Verschleppungen, Morde, Hinrichtungen,
Steinigungen, Diktaturen, Milizen, Spitzel, Folterungen und Bomben
gegen Andersdenkende, Andersliebende, gegen die freiheitsliebenden
Menschen in der Region?
Viele westliche, sich selbst als links einschätzenden
Gruppen ignorieren auch gerne, dass die Menschen im Irak (und auch
anderswo in der Region) sich jenseits von völkischem Nationalismus
und/oder dem politischen Islam selber links organisieren, wie zum
Beispiel in der Gewerkschaft der Erwerbslosen im Irak (UUI), oder
in der Organisation der Freiheit von Frauen im Irak (OWFI). Das Leben
der Menschen, die für diese freiheitsliebenden Organisationen
aktiv sind, ist täglich bedroht, auch durch Gruppierungen, für
die deutsche und österreichische Antiimperialisten und Friedensbewegte
Geld sammeln.
Vor dem letztem Krieg im Irak eröffnete die Arbeiterkommunistische
Partei Iraks in Suleimaniya unter großer Gefahr das erste Frauenhaus
der Region. In dieser Ära auch wurden Aktivisten dieser Partei
von kurdischen Nationalisten (unterstützt vom damaligem Baath-Regime)
ermordet. Diese Nationalisten sollen heute nach Willen der westlichen
Regierungen zur zukünftigen Regierung des Iraks gehören.
Nach dem letzten Krieg im Irak wurden Aktivisten der Arbeiterkommunistischen
Partei Iraks von islamischen Banden verschleppt und gefoltert, islamische
Gruppen stürmten brutal eines ihrer Büros, woraufhin italienische
Soldaten erschienen, welche nicht das islamische Überfall-Kommando
verhaftete, sondern die Aktivisten der Arbeiterkommunistischen Partei
Iraks.
In den fünfziger Jahren demonstrierten zehntausende von Frauen
in Baghdad für gleiche Rechte; ein Jahrzehnt, bevor es ähnlich
große Frauendemos in den USA gab. In den Neunzigern, als das
Baath-Regime unter Saddam Hussein verstärkt auf die Karte des
politischen Islams setzte, verschlechterte sich die Situation der
Frauen noch mehr, als schon in den Jahren zuvor.
Aktuell ist die Situation für Frauen im Irak so, das sich viele
aus Furcht vor dem Terror islamischer und nationalistischer Gruppen
überhaupt nicht mehr auf die Straße trauen. Frauenrechtsaktivistinnen
wie die international bekannte Yanar Mohammed von der Organisation
der Freiheit von Frauen im Irak (OWFI) übernachten im Irak niemals
eine Nacht an demselben Ort.
Es ist schlimm genug, dass sich manche Linke, Friedensbewegte und
Globalisierungsgegner auf Demos im Westen sich in Sachen Nahost nur
mit völkischem Nationalismus und dem religiösen Faschismus
des politischen Islams solidarisieren können. Aber mit Geld sammeln
dafür hört der Spaß auf. Den reaktionären,
rechten Flügel in der Region zu stärken, dass machen die
Bush´s, Straw´s, Schröders und Fischers dieser Welt
schon mehr als genug.
Die Kampagne 10 Euro für den irakischen Widerstand
sammelt Geld für Waffen, die auf unschuldige Menschen, Kinder,
Jugendliche, Frauen, Arbeiter, die auf Frauen- und Menschenrechtsorganisationen,
die auf die freiheitsliebenden und emanzipatorischen Aktivisten im
Irak gerichtet sind. Und das können wir nicht akzeptieren.
Wir fordern alle Gruppen und Personen, welche die Kampagne 10
Euro für den irakischen Widerstand unterstützen und
vorantreiben, dazu auf, diese perverse Kampagne sofort zu beenden!
Wir fordern alle freiheitsliebenden Menschen und Organisationen auf,
öffentlich gegen diese Kampagne zu protestieren!
Unterstützt die freiheitsliebenden und fortschrittlichen Organisationen
im Irak, wie z.b. die Gewerkschaft der Erwerbslosen im Irak (UUI)
und die Organisation der Freiheit von Frauen im Irak (OWFI)!
http://www.equalityiniraq.com/
Arbeiterkommunistische Partei Irans Deutschlandorganisation
Adresse: UUI, Postfach 325, CH-3000 Bern 11,
Tel.: 0041 78 882 55 89
Email:asojabbar@yahoo.com